PlayStation 3 Review
Grafik
6
Story
5
Singleplayer
6
Multiplayer
7
Gesamt
6,1
geschrieben am 30.09.2009
In der heutigen Zeit ist es nichts Ungewöhnliches mehr, wenn Videospiele und Filme Hand in Hand gehen. Das eine Medium dient dem anderen als Vorlage und umgekehrt. Oft sind diese Experimente den Fans allerdings ein Dorn im Auge, denn zu gerne wird in diesem Genre schlampig gearbeitet – sowohl im Entwickler- als auch im Filmstudio. Jüngste Versuche zeigten oftmals, dass man von manchem Stoff eben doch die Finger lassen sollte. Deadline Games lassen sich davon allerdings nicht beeindrucken und haben sich vorgenommen, die vermutlich komplexeste und dem Mainstream abwegigste Comicverfilmung aller Zeiten auf die heimischen Spielekonsolen zu zaubern: Watchmen.
Zwar sehr erfolgreich, handelt es sich dabei doch um einen sehr tiefgängigen Film, der verhäuft auf Dialoge statt stumpfer Action setzt. Wie also sollte man so einen Stoff sinnvoll in ein Spielkonzept bringen? Bingo! Man macht ein Beat ’em up daraus.
Story
Beide Teile sind dabei nicht an den Plot des Films angelehnt, sondern verfolgen eher Nebenstränge. Im ersten Teil erfahren Rorschach und Nite Owl von einem Aufstand im Sing Sing Gefängnis und machen sich sogleich auf, um ordentlich mitzumischen. In Wirklichkeit waren die Unruhen allerdings nur ein Ablenkungsmanöver für die Flucht des gefürchteten Verbrechers „Underboss“. Die beiden „Watchmen“ nehmen natürlich sofort die Verfolgung auf. In Teil zwei versuchen die beiden ein vermisstes Mädchen wiederzufinden. Zuletzt lebend sah man sie auf einem Snuff-Video, in dem sie bestialisch gefoltert wird. So richtig innovativ ist das also alles nicht, schafft aber eine solide Grundlage für die Dinge, die da kommen.
Grafik
Die technische Umsetzung der Comicvorlage ist Deadline im Grunde gut gelungen. Die Umgebung weist nette Wetter- und Lichteffekte auf und die Charakteranimationen wirken sehr rund. Vor allem der plätschernde Regen auf den Straßen ist ein richtiger Eye-Catcher. Es gibt aber leider auch Schattenseiten. So hat der Titel mit teils heftigem Tearing zu kämpfen, der das gesamte Bild zeitweise in einen Schleier verwandelt. Auch nicht minder herbe Ruckler und leichte Treppeneffekte trüben den eigentlich positiven Ersteindruck. Hier hätte man definitiv noch mehr Feinarbeit leisten müssen.
Weiterhin kommt hinzu, dass sich viele Designs im Spiel wiederholen. Das fängt bei den Arealen an und hört bei den Gegnerklassen auf. All zu viele gibt es davon nämlich nicht und es drängt sich dem Spieler immer öfter die Frage auf: „Hab’ ich den nicht schon im vorletzten Level verhauen?“.
Die Prügelorgien werden meist von orchestraler Musik begleitet, die sich allerdings auch ständig wiederholt. Dafür Punktet der Titel mit einer super Synchronisation, denn die Watchmen werden von ihren Originalsprechern aus dem Film vertont, Jackie Earle Haley und Patrick Wilson.
Singleplayer
Wie die Geschichte schon andeutet, stehen hier zwei Figuren im Mittelpunkt: Rorschach und Nite Owl. Zu Beginn eines Abenteuers darf man sich einen der beiden als spielbaren Charakter aussuchen, während der nicht gewählte fortlaufend von der KI gesteuert wird. Bei diesen beiden Spielfiguren bleibt es übrigens auch, freispielbare Protagonisten gibt es nicht. Nach einer Anfangssequenz im schicken Comic-Look findet man sich dann im ersten Teil vor dem Gefängnis wieder und man macht sich zunächst mit der Steuerung vertraut. Im ersten Abschnitt gibt es auch immer wieder hilfreiche Einblendungen, um den Einstieg zu erleichtern, schwierig zu handhaben ist der Titel aber ohnehin nicht, wenn auch die Steuerung etwas träge daher kommt.
Das Gameplay ist komplett an die klassischen Beat ’em ups der 90er angelehnt. Man bewegt sich durch das Areal und läuft der ersten Gegnerschar in die Arme. Diese werden daraufhin fachmännisch zu Kleinholz verarbeitet, nur um hinter der nächsten Ecke auf ihre vielen Freunde zu treffen. Jeder der beiden Hauptprotagonisten hat dabei seinen eigenen Kampfstil. Nite Owl setzt auf moderne Martial Arts Fähigkeiten und seine gezielten Tritte schalten einzelne Feinde schnell aus. Rorschach hingegen kämpft so, wie man es von einem kleinen Psychopathen erwartet. Faustschläge und Tritte schicken die Bösewichte nicht gerade elegant, aber effektiv zu Boden. Zudem beherrscht er diverse Hebelattacken und lässt auch schon mal den einen oder anderen Knochen splittern. Gegnern abgenommene Waffen sind ihm ebenso stets willkommen und werden mit voller Hingabe eingesetzt. Im Laufe des Spiels steigern die beiden ihre Fähigkeiten und erlernen stets neue Moves und Combos. So erhält Nite Owl im späteren Verlauf Stun-Granaten und eine Art Elektroschocker – nett!
Dies führt allerdings nun sogleich zu einer negativen Überleitung. Da es bis auf die genannten Fähigkeiten und ein paar PS3-Trophäen nichts frei zu spielen gilt, haben sich Deadline Games mit dem zweiten Teil des Abenteuers selbst ins Bein geschossen. Dort besitzen beide Charaktere nämlich von Beginn an sämtliche Moves, Combos und Fähigkeiten, worunter die Motivation dann doch leidet. Betrachtet man die beiden Spiele als eines, ist es vom Verlauf her natürlich sinnvoll, dass Rorschach und Nite Owl nichts verlernt haben. Dennoch hätte man sich für die Fortsetzung noch ein paar Neuerungen einfallen lassen können, denn auch spielerisch setzt Part 2 auf den gleichen Inhalt wie der Vorgänger.
Multiplayer
All die Prügelei macht definitiv Spaß, doch kehrt alleine vor dem Fernseher doch recht schnell Routine ein, die sich schließlich in Langeweile verwandelt. Hier hat der Entwickler aber alles richtig gemacht und spendiert dem Titel einen Mehrspielermodus – was sich bei zwei Charakteren nun mal auch anbietet. Mit einem Freund im Splitscreen-Modus macht die Keilerei dann auch gleich doppelt so viel Laune. Zwar wird man das Abenteuer nach erfolgreichem Abschluss nicht sofort erneut starten wollen, aber zumindest Trophäenjäger werden noch den einen oder anderen Abstecher in die Welt der Watchmen machen. Zumal viele Trophäen zu zweit etwas einfacher zu ergattern sind und nach Beendigung des Kooperativ-Modus eine Gold-Trophäe winkt.
Fazit
Deadline Games haben für ihre Umsetzung von Watchmen den richtigen Weg eingeschlagen. Anstatt zu versuchen, die Komplexität der Vorlage krampfhaft in ein Spiel zu zwängen, dass die Erwartungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erfüllt hätte, beschränken sie sich auf das, was der durchschnittliche Kinogänger bei der Filmadaption wohl auch erwartet hat – ordentlich was auf die Mütze! Herausgekommen ist ein netter, kleiner Beat ’em up Zweiteiler, im Stile von „Fighting Force“ und „God Hand“. Trotzdem ist der Titel ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite macht er wirklich viel Spaß und sorgt im Mehrspielermodus für einige Stunden gute Unterhaltung. Es gibt nette Grafikeffekte zu bestaunen und einige coole Combos warten darauf erspielt zu werden. Auf der anderen Seite gibt es aber kaum Innovationen und gerade der zweite Teil wirkt sehr ernüchternd, handelt es sich bis auf die Story doch um eine exakte Kopie des Vorgängers, ohne neue Aspekte einzubringen. Die technischen Einbußen wie Tearing und Ruckeleinlagen mindern den Gesamteindruck dann noch ein Stück mehr. Wer dem Franchise und dem Genre etwas abgewinnen kann, sollte „Watchmen: Das Ende ist nah“ aber dennoch eine Chance geben.(ah)
weitere Reviews anzeigen