PlayStation 3 Review
Grafik
6
Story
7
Sound
6
Singleplayer
8
Steuerung
8
Gesamt
7,1
geschrieben am 12.04.2012
Bevor Naughty Dog mit der actiongeladenen Uncharted-Reihe Sonys vermutlich wichtigstes Spiele-Franchise der aktuellen Konsolengeneration ins Leben rief, beglückte das Studio die Playstation 2 mit mehreren Spielereihen. So zählt die Jak-and-Daxter-Trilogie für viele Spieler zu den besten Jump ’n’ Runs überhaupt. Grund genug, die drei Titel Jak and Daxter: The Precursor Legacy, Jak 2: Renegade und Jak 3 als HD-Sammlung für die Playstation 3 neu aufzulegen.
Story
Jak and Daxter: The Precursor Legacy
Jak und sein Freund Daxter das Ottsel, eine Mischung aus Otter und Wiesel, müssen die Geheimnisse der Precursor ergründen. Die Precursor sind die Erschaffer allen Lebens und der geheimnisvollen Substanz namens Eco. Doch der weise Samos warnt Jak und Daxter vor einer Bedrohung durch die bösen Mächte, die das dunkle Eco für ihre Zwecke missbrauchen. Nun liegt es an dem ungleichen Duo, gemeinsam mit der Schönheit Keira die Welt zu retten und die Invasion der bösartigen Lurker aufzuhalten.
Jak 2: Renegade
Jak und Daxter befinden sich in der dystopischen Stadt Haven City. Der tyrannische Baron Praxis schafft es, Jak gefangen zu nehmen. Zwei Jahre vergehen, bevor es Daxter gelingt, seinen Freund zu befreien. Doch in der Zwischenzeit wurde an Jak mit dunklem Eco herumexperimentiert, so dass jener nicht mehr derselbe ist. Um der Sache auf den Grund zu gehen und Praxis zu stürzen, schließen sich Jak und Dexter einer Rebellion an. Dabei begegnen sie schließlich dem weisen Samos und ihrer Freundin Keira wieder. Schaffen sie es, mit vereinten Kräften Haven City von Praxis Schreckensherrschaft zu erlösen?
Jak 3
Jak muss Haven City verlassen und wird ins Ödland verbannt. Der dortige Herrscher Damas rettet Jak und seinen Kumpel Daxter, fordert aber im Gegenzug die Erledigung zahlreicher Aufgaben. In der Zwischenzeit blüht Haven City die sichere Zerstörung durch die Metallschädel. Trotz ihrer Verbannung müssen Jak und Daxter also zurückkehren, die bösen Roboterfabriken demontieren und die Rätsel um die geheimnisvollen Precursor endgültig aufklären.
Naughty Dog erzählt in der
Uncharted-Reihe actiongeladene wie dramatische Stories, die Hollywood-Blockbustern in ihrer Inszenierung in Nichts nachstehen. Spielt man die
Jak-and-Daxter-Trilogie, weiß man wo die Entwickler sich ihre Sporen als Geschichtenerzähler verdient haben: Alle drei Spiele gehen storytechnisch nahtlos ineinander über. Das ist zu Playstation-2-Zeiten vielen Spielern sauer aufgestoßen, da die ersten beiden Teile jeweils mit offenen Enden abschließen. Heute, wo alle drei Teile auf einer Disk vereint sind, relativiert sich dieses Problem. Für Jump ’n’ Runs ist die übergreifende Handlung sehr facettenreich, wenn auch etwas überladen: So dreht sich der mystische Hintergrund um die Precursor anfangs mehrmals im Kreis. Beim Betrachten des Abspanns von
Jak 3, könnte sich manch einer fragen, ob sich das ganze Trara nun gelohnt hat. An dieser Stelle soll aber nicht zu viel verraten werden, damit jeder sich selbst einen Eindruck bilden kann. Unbestreitbar ist dagegen die hohe Qualität der Charaktere: Speziell das Ottsel Daxter lockert das Gameplay durch flotte Sprüche auf. Die Gags sitzen immer und so macht es während des Spiels viel Spaß, die Handlung zu verfolgen, selbst wenn man manchmal einfach nur darauf wartet, wie Daxter die nächste Plot-Entwicklung wohl kommentiert. Dabei beweist Naughty Dog durchaus Selbstironie, denn Daxters zynische Witze nehmen die überzogene Geschichte gern mal auf die Schippe.
Grafik
Die
Jak-and-Daxter-Trilogie kann ihre PS2-Herkunft zu keiner Zeit verhehlen: Am schwächsten sieht der erste Teil der Reihe aus, der ursprünglich 2001 auf den Markt kam. Die HD-Aufarbeitung ist aber gut gelungen: Die Framerate ist konstant und einige Lichteffekte sehen sogar besser aus, als man sie noch aus PS2-Zeiten in Erinnerung hat. Die Texturen sind dagegen äußerst detailarm. Ein wenig wird dies aber durch den Comic-Stil ausgeglichen. Bereits
Jak 2: Renegade macht optisch einen klaren Sprung nach vorn. So ist die Stadt Haven City wesentlich lebendiger als die Umgebungen aus dem ersten Spiel. Auch die Treppchenbildung, welche einige Levels in Teil 1 zum Dauerflimmern bringt, ist weniger auffällig. Im dritten Teil ist der nochmalige Grafiksprung nicht ganz so offensichtlich, aber die Umgebungen und besonders die Charaktere sind erneut ein Stück detailverliebter. Wie gesagt, sieht man allen drei Spielen ihr Alter an, doch da die Trilogie die PS2 damals grafisch nahezu ausreizte, gefallen die Spiele dank ihres Comic-Stils auch heute. Sonys HD-Aufarbeitung ist sehr gelungen und die Spiele sehen besser aus denn je. Wer möchte kann die
Jak-and-Daxter-Trilogie auf Wunsch auch in stereoskopischem 3D zocken. Die dritte Dimension trägt allerdings nicht viel zum Spielerlebnis bei und erweist sich eher als anstrengend für die Augen.
Sound
Alle drei Spiele punkten mit sowohl deutscher als auch englischer Sprachausgabe. Zudem lassen sich die Untertitel separat anwählen, so dass es beispielsweise möglich ist, im englischen Originalton mit dt. Untertiteln zu zocken. Dies ist eine empfehlenswerte Alternative, denn die deutsche Vertonung gibt sich zwiespältig. Zwar fällt die Synchronisation für die damalige Zeit annehmbar aus und speziell Daxters Stimme ist erstklassig gewählt, der Rest der Sprecher klingt aber im Vergleich zu aktuellen deutschen Bearbeitungen amateurhaft. Dagegen kann die englische Vertonung mit mehr Qualität aufwarten. Daxters Gags kommen hier noch eine ganze Ecke derber rüber und der Atmosphäre-Faktor steigt eine Ebene höher.
Die Musik klingt etwas angestaubt und bietet in Teil 1 viel belangloses Midi-Gedudel. Von Spiel zu Spiel steigert sich die Qualität aber und die Stücke untermalen das Spielgeschehen immer passender. Wer allerdings moderne Orchester-Soundtracks oder gepflegten Rock, bzw. Electronica erwartet, wie sie mittlerweile auch in Jump ’n’ Runs a la
Little Big Planet üblich sind, muss zurückschalten. Die Soundeffekte sind gewohnte Standardkost und fallen weder negativ noch positiv auf.
Singleplayer
Jak and Daxter: The Precursor Legacy ist ein klassisches 3D-Jump-’n’-Run, das Ähnlichkeiten mit Naughty Dogs „Crash Bandicoot“ für die Playstation 1 nicht von der Hand weisen kann. 2001 beeindruckte der Titel besonders durch seine relativ offene Spielumgebung, da es keinerlei Ladezeiten zwischen zentralem Hub im Dorf und den einzelnen Levels gibt. Zwar behält „Jak 2: Renegade“ die Geschicklichkeits-Tugenden des ersten Spiels bei, nimmt sich aber ein Beispiel am damals mega-erfolgreichen
GTA III: Haven City dient als Sandkasten, in dem diverse Missionen angenommen werden können. Jak, im ersten Teil noch ein stummer Protagonist, darf erstmals das Wort ergreifen und sogar mit Schwebe-Fahrzeugen durch die Straßen düsen. Durch das dunkle Eco hat er außerdem zusätzliche Fähigkeiten erlangt. Jak nimmt ebenso diverse Waffen zur Hand, die das Spiel wesentlich actionlastiger machen als seinen Vorgänger. Übertrieben hat es Naughty Dog mit dem Schwierigkeitsgrad. Manche Hüpf-Einlagen sind dermaßen frimmelig, dass man Jaks Todesschrei beim Herunterfallen kaum noch hören kann und am liebsten das Joypad gen TV schleudern möchte.
Jak 3 rudert etwas zum ersten Teil zurück: Zwar hat man die Vielfalt der Waffen sogar noch ausgebaut, doch der Schwierigkeitsgrad orientiert sich eher am Serien-Debüt und ist wesentlich fairer. Man setzt Jaks Eco-Kräfte nun passender ein, so dass das Gameplay insgesamt runder wirkt. Die wirren Straßen der Stadt Haven City weichen der weitläufigeren Wüstenwelt, die den Kreis zur Dschungellandschaft von Teil 1 schließt. Die Rennsequenzen mit Fahrzeugen sind nicht mehr so aufdringlich wie in Teil 2, so dass Teil 3 die Trilogie gelungen abrundet und spielerisch die ausgewogenste Erfahrung bietet.
Steuerung
Jump ’n’ Runs stehen und fallen mit einer präzisen Steuerung: In der Jak-and-Daxter-Trilogie ist das Grundschema der Steuerung immer ähnlich und folgt einem Prinzip: Leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern. Dadurch entsteht eine angenehme Lernkurve. Anfangs kommt man noch mit einfachen Sprüngen gut durch das Spiel, während später Rollen mit Anlauf, Doppelsprünge und präziser Waffeneinsatz das Überleben sichern müssen. Auch wenn der Schwierigkeitsgrad besonders in Teil 2 knackig ist, liegt es zumindest nicht an der Steuerung, wenn man mal wieder zu Tode stürzt. Jak reagiert auf alle Eingaben präzise und fühlt sich weder zu träge noch zu hakelig an. Einziges Manko: Die Kamera ist extrem veraltet und muss häufig manuell nachjustiert werden, um den Überblick zu wahren. Dieses Problem betraf allerdings fast alle 3D-Geschicklichkeits-Spiele der letzten Konsolengeneration und zeigt, wie verwöhnt wir in diesem Bezug mittlerweile geworden sind.
Fazit
Sonys HD-Collection zur Jak-and-Daxter-Collection ist technisch sauber aufgearbeitet. Man hat sich Mühe gemacht die Texturen so gut es geht nach 720p zu ziehen und bietet sogar einen, wenn auch eher überflüssigen, 3D-Modus an. Grafisch sieht man der Reihe ihr Alter an, wogegen die Reihe spielerisch reizvoll ist wie eh und je: Die Entwicklung vom klassischen 3D-Jump-’n’-Run hin zur Mischung aus Open-World-, Action- und Geschicklichkeits-Spiel vollzieht sich logisch und bereitet immer Freude. Zwar verwirren die überladenen Stories um die Precursor und das mysteriöse Eco stellenweise, doch bereits ein ironischer Kommentar des hervorragend vertonten Ottsels Daxter lässt die Logiklücken vergessen. Die
Jak-and-Daxter-Trilogie zählt definitiv zu den gelungeneren HD-Umsetzungen und ist jedem ans Herz zu legen, der entweder alte Nostalgie-Gefühle wieder aufleben lassen will oder die Kult-Reihe auf der PS2 verpasst hat. (anw)