PlayStation 3 Review
Grafik
8
Story
4
Sound
7
Einstieg
8
Singleplayer
9
Multiplayer
6
Gesamt
7,7
geschrieben am 05.06.2009
Im Jahre 1988 brachte Capcom ein Videospiel auf den Markt, das gleich in zweierlei Hinsicht Schlagzeilen machen sollte. Es wurden neue Maßstäbe im grafischen und spielerischen Bereich gesetzt. Die Optik war für den NES damals bahnbrechend und ein Spiel, in dem der Protagonist nicht springen konnte, sondern sich mit Hilfe eines bionischen Armes über die Plattformen hangelt, hatte es so auch noch nicht gegeben. Auf der anderen Seite erntete das Actionspiel auf Grund der Thematik große Kritik. Darstellung von NS-Symbolik, Beschimpfungen in Dialogform und ein Endgegner, der große Ähnlichkeit mit Adolf Hitler vorwies, lösten eine Welle der Empörung aus. Die Rede ist von "Bionic Commando", dessen Originaltitel "Top Secret: Hitler's Revival" der Zensur zum Opfer fiel. Trotz des Skandals gilt das Spiel heute als Klassiker und nach dem Remake "Bionic Commando Rearmed" (2008) folgt nun das nächste Abenteuer, rund um die bionischen Soldaten.
Story
Die Geschichte beginnt zehn Jahre nach den Ereignissen in "Bionic Commando Rearmed". Der mit Bionik ausgestattete Soldat Nathan "RAD" Spencer besiegte die Imperialen und zerstörte die Geheimwaffe Albatross. Er und sein Gefährte Joseph "Super Joe" Gibson werden als Helden gefeiert. Nach dem Krieg wurde das Bionik-Programm mit Lob überschüttet und der T.A.S.C. (Tactical Arms and Security Committee), mittlerweile unter der Leitung Gibsons, stattete weitere Agenten mit Bionik aus. Spencer wurde damit beauftragt, die neuen bionischen Soldaten auszubilden und führt zudem geheime Operationen für die Regierung durch. Bei der "Operation Blackout" kommt es allerdings zu einem Zwischenfall, als er damit beauftragt wird, zwei fahnenflüchtige Bionik-Prototypen auszuschalten. Spencer weigert sich kurzerhand den Befehl auszuführen. Als es darauf zum Tod mehrerer T.A.S.C.-Agenten kommt, verurteilt das Kriegsgericht ihn wegen Hochverrats. Kurz vor seiner Hinrichtung detoniert jedoch eine Massenvernichtungswaffe in Ascension City, die eine Spur der Verwüstung hinterlässt und eine radioaktive Druckwelle freisetzt. Wie die Regierung erfährt, steckt die terroristische Vereinigung "Bio-Reign" dahinter. Spencer wird daraufhin aus dem Gefängnis frei gelassen, mit der Bedingung sich dem Übel anzunehmen. Sollte er kooperieren, wird er seine Freiheit wiederbekommen, sowie Hinweise auf seine verschollene Frau.
Grafik
Entwickler GRIN haben mit ihrer eigenen Engine nichts falsch gemacht und lassen „Bionic Commando“ in der Oberliga aktueller PS3-Titel mitspielen, auch wenn mal wieder „nur“ in 720p ausgegeben wird. Die Optik überzeugt vor allem durch tolle Lichteffekte und die Umgebung in der Ferne wird durch einen leichten Motion-Blur-Effekt verwischt, was aber stilistisch sehr gut umgesetzt wurde. Einzig die Physik passt nicht immer zu den ausgeführten Aktionen. Objekte bleiben teilweise starr in der Gegend stehen, obwohl man gerade mit einem großen Knall auf sie gesprungen ist. Hier hätte noch ein wenig Feinarbeit nicht geschadet. Wenn aber dann aus heiterem Himmel Wolkenkratzer zusammenstürzen oder mächtige Zwischengegner plötzlich unter Spencer aus dem Boden brechen, kann man dem Titel einfach keine schlechte Präsentation mehr nachsagen.
Sound
Das Soundgewand passt sich dem visuellen Eindruck optimal an. Bereits die Titelmusik im Menü sorgt für eine gewisse Stimmung und Kenner des alten „Bionic Commando“ werden das Musik-Theme in abgewandelter Form im Spiel entdecken. Während man durch die Areale schwingt, ertönen sanfte Klänge, die von Streichern eingespielt wurden und einen fast anmutigen Eindruck machen. Bei Feindkontakt wechselt die Musik dann schlagartig und es wird rockiger. Ein weiterer Pluspunkt sind die Synchronsprecher, allen voran Mike Patton (Sänger der Band „Faith No More“), der Sprecher von Nathan Spencer. Mit Witz und Charme verleiht er dem Protagonisten eine ganz besondere Note.
Einstieg
Nachdem man in einem kapselartigen Geschoss in die Stadt geschleudert wurde, findet man sich in der Rolle von Spencer in einem zerstörten Hochhaus wieder und bekommt prompt die erste Mission zugewiesen - finde deinen bionischen Arm. Auf dem Weg macht man sich nun erstmal mit der Basissteuerung vertraut und wird schnell die erste Neuerung entdecken; Spencer kann springen! Zugegeben, es wäre ein Unding gewesen dieses Anti-Feature beizubehalten, auch wenn es zum Kultstatus des Originals beigetragen hat. Ohne den bionischen Arm gibt es erstmal noch keine großen Herausforderungen und man verteidigt sich mit Schusswaffe und Faustkampf gegen die ersten Widersacher. Einen Abschnitt und eine Cutscene später, wird es dann allerdings interessant. Wieder mit dem Arm vereint, sollen einige Übungen ausgeführt werden, die ebenfalls wieder als Missionen angezeigt und gut in den weiteren Verlauf des Abschnitts eingebettet sind. Mit Hilfe der SELECT-Taste gelangt man jederzeit in ein Übersichtsmenü. Hier sind offene und abgeschlossene Haupt- und Nebenmissionen, sowie Errungenschaften, Fähigkeiten und Infos zu Gegnerklassen und Objekten abrufbar. Bevor es dann weiter geht, wechselt das Spiel in ein kleines "Virtual Reality"-Training. Hier sollen die Grundfähigkeiten des bionischen Arms und des Stahlseils geübt werden: Schwingen, abspringen und Objekte werfen. Zurück im eigentlichen Spiel, besteht die nächste Aufgabe daraus, sich mit dem Arm auf einen höher gelegenen Vorsprung zu ziehen. Hat man dies erledigt, wird diese Mission als abgeschlossen geführt und man erhält zudem die erste Trophäe. Bereits während der Einführung fällt auf, dass "Bionic Commando" ein Spiel für Trophäenjäger ist, denn fast jede zweite Aufgabe spielt eine der begehrten Pokale ins eigene PSN-Konto. Praktischerweise werden diese im Übersichtmenü sogar noch einmal separat gelistet, mitsamt kurzer Anleitung zur Durchführung.
Singleplayer
Nach absolvierter Einführung blickt man zunächst auf ein Trümmerfeld nieder. Die Straßen sind übersäht von riesigen Einschlagslöchern, Häuser sind zerfallen, Autowracks liegen an allen Ecken - das totale Chaos. Kaum hat man sich ein Bild von der Umgebung gemacht, blinkt die Missionsanzeige, ein Terminal möchte gefunden werden. Mit den neu erworbenen Kenntnissen schießt man also das Stahlseil ab und schwingt sich nun durch die Straßen und klammert sich dabei an Straßenschilder, Vorsprünge, Straßenbahnen und alles was sonst halbwegs stabil aussieht. Die Spiderman-Einlagen machen dabei wirklich Spaß, benötigen allerdings gutes Timing und eine gewisse Eingewöhnungsphase. Denn nur wenn man den richtigen Absprungpunkt findet, fliegt man weit genug um den nächsten Greifpunkt anvisieren zu können. Auch auf Feindkontakt stößt man wieder recht schnell und steht nun vor der Wahl der Verteidigung. Nutzt man die bewährte Schusswaffe, kann man Feinde in der Regel recht schnell und aus sicherer Entfernung ausschalten. Möchte man lieber in die offensive gehen und den bionischen Arm einsetzen, ist Vorsicht geboten. Die Gegner-KI ist zwar nicht die beste und sie sind eigentlich nur durch ihre Überzahl gefährlich, aber sie haben ein paar fiese Tricks auf Lager. Mit dem Stahlseil kann man Kontrahenten auch aus größerer Entfernung greifen, um dann weitere Attacken an ihnen auszuüben. Allerdings tragen die Terroristen elektrische Schlagstöcke bei sich, mit denen sie das Stahlseil unter Strom setzen und Spencer so verletzen können. Ohnehin gilt es, nie viel Zeit bei einem Kampf zu verlieren, da Spencer nicht gerade viel wegstecken kann. Ein Stromstoß und eine Hand voll Treffer reichen meist für den virtuellen Tod. Erst im späteren Spielverlauf verbessert sich die eigene Panzerung und man schaltet starke Nahkampfattacken frei, mit denen man sich dem Feind auch mal auf wenige Meter nähern kann. Zum Glück lässt das Spiel einem viel Freiraum für Experimente und eigene Angriffsideen. Es gibt für jedes Hindernis verschiedene Lösungswege. Diese sind gerade bei den Zwischengegnern gefragt, die leider nicht sehr zahlreich, dafür aber umso imposanter in Erscheinung treten.
Bei der Orientierung hilft ein kleines Radar am unteren Bildschirmrand, auf dem Missionsziele und auch Gegner angezeigt werden. Der nächste zu erreichende Punkt wird aber auch direkt in der Spielwelt markiert, sodass man immer ungefähr die Richtung kennt, in der es weitergeht. In den ersten Abschnitten geht es meist darum, bereits genannte Terminals zu finden. Diese müssen mit dem Arm gepackt und anschließend "gehackt" werden. Dafür muss man im Grunde aber nichts weiter tun. Im Prequel gab es dieses Spielelement ebenfalls und dort galt es noch, kleine Minispiele zu bewältigen. Die Terminals halten Informationen bereit, die die Story weiterführen und neue Missionen frei schalten.
Im weiteren Spielverlauf findet man dann auch neue Schusswaffen, wie Schrotflinte oder Scharfschützengewehr. Auch neue Fähigkeiten für den Bionik-Arm warten darauf erspielt zu werden. Und obwohl man stets eine Mission vor Augen und das nächste Ziel auf dem Display hat, erwischt man sich immer wieder dabei, die Grenzen der Möglichkeiten der weitläufigen Areale auszutesten. Dabei holt einen das Spiel leider schneller auf den Boden der Tatsachen zurück, als Spencer einen Terroristen mit dem Greifarm. Auf Grund der radioaktiven Verseuchung, liegen weite Teile der Stadt in einem lila Nebel, dem unser Protagonist lieber nicht zu nahe kommen sollte. Landet man in einer solchen Zone, bleiben einem gerade mal knapp drei Sekunden um das Weite zu suchen, bevor der "Game Over"-Bildschirm den heimischen Fernseher ziert. Auch wenn diese Zonen einen Teil der Story abdecken, kommt es einem meist vor, als wären sie zur Levelbegrenzung eingesetzt worden. Schwingt man beispielsweise in zu luftige Höhen, blinkt einem ebenfalls sofort das Atomsymbol entgegen. Dies nimmt einem leider schnell die zuvor geglaubte Freiheit.
Multiplayer
Trotz sich anfänglich oft wiederholender Aufgaben, kann man sich schon so einige Zeit mit „Bionic Commando“ beschäftigen. Spieler mit Sammelleidenschaft werden genug damit zu tun haben, alle versteckten Symbole im Spiel zu finden, was übrigens gleichzeitig auch eine Trophäe einbringt. Die Symbole sind wirklich gut versteckt und verlangen so manch akrobatische Einlage. Hartgesottene können sich auch dem härtesten Schwierigkeitsgrad „Commando“ stellen, an dem man sich wirklich die Zähne ausbeißen kann. Für echte Veteranen gibt es noch den „Levelsprung“ und kann auf diesem Wege seinen Lieblingsabschnitt noch mal spielen. In diesem Modus kann man allerdings keine Symbole sammeln oder Missionen erledigen.
Wenn es dann alleine auf dem Sofa zu langweilig wird, kann man sich direkt in den Multiplayer-Modus schwingen. Dieser bietet die klassischen Modi Deathmatch, Team-Deathmatch und Capture The Flag. Die maximale Spieleranzahl pro Match liegt bei acht. Online macht der Titel wirklich eine Menge Spaß, wobei es ein wenig an Abwechslung mangelt. Mit den bionischen Fähigkeiten hätte man sich bestimmt noch den einen oder anderen Spielmodus einfallen lassen können.
Fazit
"Bionic Commando" knüpft nicht nur an die Story des Vorgängers an, sondern versteht sich auch vom Spielgefühl her als Fortsetzung. Die Entwickler haben die simple Spielmechanik des Arcadetitels in ein schickes, neues Gewand gehüllt. Wenn man erstmal hinter die neue Optik geblickt hat, erkennt man dahinter nämlich schnell das Prinzip aus dem Jahre '88. Dies sorgt für ein angenehm simples und spaßiges, auf der anderen Seite aber auch extrem geradliniges Gameplay. Die Areale sind auf den zweiten Blick gar nicht so groß wie sie zu Beginn wirken und ein zu weites Abweichen vom Weg wird gleich mit dem Bildschirmtod bestraft. Dennoch bietet der Titel eine Menge Spielspaß und zeigt sich dabei sehr experimentierfreudig, wenn es um die Vorgehensweise geht. Mit knapp zehn Stunden besitzt der Singleplayer-Modus eine annehmbare Länge, wenn man bedenkt, dass man nach dem ersten Durchlauf vermutlich ohnehin nicht alle Bonusgegenstände gesammelt hat. Danach sorgt der Mehrspieler-Modus noch für ein paar lustige Stunden. Eine höhere Spielzeit hätte dann auch definitiv mehr Abwechslung im Gameplay bedeuten müssen. Fans von Actionspielen, die auch den einen oder anderen Frustmoment für den Erfolg in Kauf nehmen, sind hier sehr gut aufgehoben. (ah)
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Habe leider noch soviele Spiele vor mir, das der Titel erstmal auf die Warteliste kommt