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BluLife Blog von Charlys Tante

Charlys Tante

Jacques - Entdecker der Ozeane

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Kommentare: 4
Danke: 7
16. Juli 2017

Jaques Cousteau (1910-1997) ist wohl der bekannteste Meeresforscher des 20. Jahrhunderts. Aus der Not heraus geboren wurde er, der eigentlich Pilot werden wollte, durch einen Unfall sozusagen zum Pionier der populären Meeresforschung. Bei der Kriegsmarine hatte Cousteau im Jahre 1947 einen Weltrekord im Freitauchen aufgestellt, da er ohne Hilfe bis in eine Tiefe von 91,5 Meter vorgedrungen war. Die beste Weise Fische zu beobachten, sagte er, sei es, selbst zum Fisch zu werden. Er war maßgeblich daran beteiligt, die uns heute bekannten Unterwasser-Atemgeräte mit Pressluftflaschen zu entwickeln, mit denen er sich dann auch unter Wasser begab und die Welt veränderte.

Viele Filme wurden schon über das Schaffen von Jaques Cousteau gedreht, aber bis heute noch kein so intimes Biopic mit einem sehr interessanten Einblick in die Beweggründe des Forschers. Der Film greift die Zeitspanne ab 1949 bis zum Tode seines Sohnes Philippes auf. Jacques Cousteau (Lambert Wilson)

lebt mit seiner Frau Simone (Audrey Tautou)

und den beiden Söhnen  in einem schönen Haus direkt am Mittelmeer. Er und Simone träumen jedoch vom Abenteuer und der Ferne.

Gemeinsam bricht das Paar an Bord der Calypso zu einer Expedition der Ozeane auf und lässt die Kinder im Internat zurück.

Als der erwachsene Philippe nach Jahren zu seinen Eltern auf das Schiff zurückkehrt, erkennt er seinen Vater kaum wieder: Aus dem einstigen Pionier Jacques ist ein globaler Filmstar und Frauenheld geworden, der bereit ist, für ein perfektes Bild scheinbar alles zu opfern.

Philippe dagegen hat schnell erkannt, dass die Ozeane der Welt durch die moderne Zivilisation und Gedankenlosigkeit zerstört werden. Er sieht es in der Verantwortung der Familie Cousteau, die Lebensvielfalt der Ozeane zu schützen. Auf ihrem größten gemeinsamen Abenteuer, einer gefährlichen Expedition zur Antarktis, finden Vater und Sohn dann wieder zueinander, bis zu dem Moment, wo das Schicksal zuschlägt.

Jérôme Salle (Regie), der ein großer Fan von Jaques Cousteau war und noch immer ist, wollte jedoch keine einfache Dokumentation über das Leben von Jaques Cousteau drehen, sondern ein intimes realistisches Portrait des Menschen Jaques, mit seinen Stärken und auch seinen Schwächen, das ganze eigenbettet in einen spannenden Handlungsrahmen. Herausgekommen ist ein kurzweiliges Spielfilmportrait, das gleichzeitig auch als Zeitzeuge der damaligen Zeit gut funktioniert.

Es ist zudem auch kein egoistisches Portrait eines Einzelnen, sondern das Biopic stellt die gesamte Familie in den Fokus und zeigt, wie sich eine Familie unter diesen Bedingungen entwickelt. An welchen Grenzen sie ankommt und wie sie sie umschifft, um letztendlich immer als Familie dazustehen. Jaques, der auch ein Schürzenjäger war, wird hier nicht mit Seidenhandschuhen vom Regisseur angepackt. Trotz der Hochachtung für den Forscher und die jeweiligen Notwendigkeiten, die der damaligen Zeit entsprachen. Das Kernstück des Films sind die Beziehungen von Jacques zu seinem jüngeren Sohn Philippe (Pierre Niney) und seiner ersten Frau Simone (Audrey Tautou), die die Calypso zunehmend als ihr zu Hause betrachtete, während Jaques um den Erdball reiste, um Geld für seine Expeditionen zu sammeln.

Die Calypso ist zu Beginn ein gemeinsamer Traum von Simone und Jacques Cousteau, für den sie auch nicht zögern, die Kinder, die sie lieben, aufs Internat zu schicken. Das soll das weitgehend distanzierte Verhältnis der Kinder zu ihren Eltern für lange Zeit prägen. Er zeigt auch die teilweise extrem opportunistische Vorgehensweise von Jaques, die auch vor Tötungen im Tierreich zu Forschungszwecken nicht Halt machten, bis hin zur Wandlung zum Umweltaktivisten und seinem Vermächtnis für die Antarktis.

Alles das wäre vermutlich aber ohne seinen Sohn Phillipe, den Jaques trotz der scheinbaren Strenge, die er ihm entgegenbrachte, sehr liebte und den er an seiner Seite haben wollte, nicht möglich gewesen, denn Philippe nahm später im erwachsenen Alter eine zentrale Rolle in Cousteaus Unternehmen ein und war an vielen Filmen als Produzent oder Regisseur beteiligt. Unter anderem am wohl berühmtesten Cousteau-Film „Die Reise zum Ende der Welt“ (1978), und auch wir wären nicht in den Genuss gekommen, ohne Phillipe an den vielen Filmen der 70er Jahre teilzuhaben.

Alles das wird in sensationellen und originalgetreuen Bildern eingefangen. Die Originaltreue war Regisseur Jérôme Salle nicht nur aus ästhetischen Gründen wichtig, schließlich nimmt die Antarktis eine Schlüsselrolle im Film, sowie in Cousteaus Leben, ein: „Es war der letzte Kampf von Cousteau, dem es im Jahre 1988 gelang, die 33 in der Antarktis vertretenden Länder dazu zu bewegen, ein Moratorium zu unterzeichnen, das die industrielle Ausbeutung der Ressourcen der Antarktis bis 2048 im Wesentlichen einfriert.“

Die Calypso wurde zudem fast vollständig im „Original“ aus einer alten Kriegsfregatte für die Filmaufnahmen restauriert. Regisseur Jérôme Salle (ZULU) versammelt Lambert Wilson (Matrix Reloaded) als Jaques-Yves Cousteau, Pierre Niney (Yves Saint Laurent) als Sohn Philippe und Audrey Tautou als seine Ehefrau (Die fabelhafte Welt der Amelie) vor der Kamera. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Brasilien, Südafrika, Kroatien und - zum ersten Mal für einen Spielfilm überhaupt - in der Antarktis. Herausgekommen ist ein bildgewaltiges Epos, das auf der großen Kinoleinwand seine volle Magie entfaltet.

Seine Crew, die Calypso und nicht zuletzt die rote Mütze sind auch heute noch weltweit berühmt. Doch der bekannte Pionier hatte auch seine Schattenseiten. Cousteau (Lambert Wilson) finanzierte seine ersten Expeditionen durch Kooperationen mit Ölkonzernen, welche so neue Plattformen erschlossen. Manche Szenen in Cousteaus damaligen Filmen, in denen er für spektakuläre Bilder Kliffe sprengt oder Haie massakriert, wirken aus heutiger Sicht barbarisch, kommen aber in diesem Film nicht vor, denn soweit wollte der Regisseur in diesem gelungenen Portrait nun doch nicht gehen. In Cousteaus Zeit, in der es noch keine ausgeprägte Umweltschutzbewegung gab, war das jedoch normal. So stellt Regisseur Jérôme Salle klar, dass sich der Mensch damals allmächtig fühlte, indem er die Natur zähmen und ihre Ressourcen ausbeuten musste. Bedenken hatte man damals noch nicht. Man dachte, der Planet wäre niemals gefährdet, doch das hat sich mittlerweile geändert. Jedoch der Weg dahin ist noch weit, wenn die Menschen nicht lernen zu verstehen, wie unfassbar wichtig die Meere für ein funktionierendes Ökosystem sind.

Ansichtssache:

 „Jaques - Entdecker der Ozeane“ wirft einen weitestgehend ungeschönten und ehrlichen Blick auf Cousteau, der daher erst so sehenswert und zudem auch ein wenig Nostalgie in die Unterwasserfilmepoche bringt, die in dieser Form seitdem nicht mehr dem breiten Publikum präsentiert wurde. Trotz seiner für Außenstehende vielleicht nicht nachvollziehbaren Vorgehensweise, um Filmgelder zu bekommen und um seinen Traum zu erfüllen, ist dieser Film ein wunderbares Zeitzeugnis geworden.

Film: 4,5 von 5 ( eines der perfektesen Biopics die ich bisher gesehen habe)

Bild: 5 von 5 (große authentische  Bilder erwarten einen hier)

Ton: 4,5 von 5 (auch der Surroundsound kann mit einem sehr schonen Score überzeugen, obwohl er hier nicht zum Pathos es Films beiträgt)

Fazit:
„Jaques - Entdecker der Ozeane“ ist ein sehenswertes Familien-Biopic ohne Verklärung der dunklen Seite, eines seinen persönlichen Traum lebenden Forschers, der auch einmal unpopuläre Grenzen überstieg, um sein Ziel zu erreichen.

Wäre er diesen Weg nicht gegangen, so hätten wir viele tolle Filme über die Meere nicht zu Gesicht bekommen. Letztendlich fand er aber doch zu seinen eiegntlichen Wurzeln und wurde zu einem der größten Umweltaktivisten der Moderne, dessen Vermächtnis im Jahre 1988 die Erhaltung der Natur, zumindest bis zum Jahre 2048, in der Antarktis sichert.

Alleine das ist schon einen Film über Jaques Cousteau wert.

In diesem Sinne

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