Frau Blutze lernt dazu

Liebe Leute,
ich hab doch letzte Woche in meim Block geschrieben, dass der kleine Chef so ein ganz Kluger ist. Und wisst Ihr, was der mir prompt aufgebrummt hat? Weiterbildung! Ich sage Euch, was braucht eine Reinigungsfachkraft mit Privatdiplom schon für Weiterbildung, frag ich Euch? Das Diplom ist vom Hans-Werner, was mein Ehegemahlmann ist. Hat er mir mal zum Hochzeitstag geschenkt, weil er den vergessen gehabt und dann frühmorgens ein schlechtes Gewissen gekriegt hat. Zum Glück war aber auf der Packung vom Scheuermittel hinten so ein Diplom zum Ausschneiden drauf. Da hat er dann meinen Namen reingeschrieben und zwei rote Herzen dazu gemalt. Die Herzen hab ich erst nicht richtig erkannt weil die ham ausgesehen wie dem Hans-Werner sein Hintern. Blöd war das ganze Scheuermittel auf der Auslegware in der Wohnstube. Weil eigentlich sollte man das erst aufbrauchen und dann ausscheiden. Da hab ich lange saugen müssen, bis alle Kügelchen weg waren.
Die Frau, die immer so viel lacht, hat mich dann angemeldet zu so einem Semenar. „Gefährdungspotenziale durch Ätzstoffe im professionellen Cleanmanagement“. Ich hab kein Wort verstanden. Aber egal, gab lecker Kaffee und Kekse und mittags sogar warm. Putengeschnetzteltes mit Sahnesauce und so breite Nudeln. Die kriegt man schwer zu fassen, die breiten Nudeln. Wie mir zum dritten Mal ein dicker Batzen von der Gabel runter gerutscht ist, hat´s ordentlich gespritzt. Auch auf die feine Jacke von dem schnöseligen Vertreter, der das Semenar abgehalten hat. Eigentlich war das ja von der Berufsgenossenschaft. Aber die haben sich das einfach gemacht und einen von so einer Putzmittelfirma angeheuert. Der hat jede Menge Pröbchen verteilt und gesagt, dass wir alle die Putzmittel von seiner Firma nehmen sollen, damit er uns ein Zeterfikat ausstellen kann.
Gott sei Dank hab ich mir gleich jede Menge Pröbchen in die Taschen von meim Kittel gesteckt. Ich hab gleich eins aufgerissen und ihm ordentlich was auf den Saucenfleck geschüttet, um zu gucken, ob das auch funktioniert. Der war gleich weg, der Fleck. Wie die Farbe von der Jacke. Schwupp, weg. Tolles Zeug. Er hat dann sein Namensschildchen über die helle Stelle geklemmt, da war fast nix mehr von zu sehen. Mein Zeterfikat hab ich trotzdem gekriegt. Jetzt bin ich „Arbeitsschutzbeauftragte für Ätzendes“ in der Firma und muss bei den neuen Azubis immer Belehrungen halten. Na, da wart ich schon drauf. Die werd ich nich mit so eim Theoriekram langweilen. Ich hab ja noch genug von den Pröbchen.
Na ja, ich sollt dann auch noch zu einem Lehrgang „Produktinformationen richtig lesen für Mitarbeiter mit Migrationshintergrund oder anderen Sprachhemmnissen“. Hab ich aber geschwänzt. Zuviel Lesen, sagt nämlich mein Hans-Werner immer, schadet nur den Augen. Recht hat er. Wenn´s was Neues gibt auf dem Reinigungsmittelmarkt, wird´s ausprobiert. Versuch macht kluch. Hauptsache, alles wird schön sauber, weil, Ihr wisst ja: sauber muss ein. Feudel Marsch, immer Eure treue Blutze.
18.09.2008, 16:20 Uhr
Kommentare
@ kekskruemel
Ich dachte bislang, das sei bei dem Studium dabei? Da muss ich meine Immatrikulation wohl nochmal überdenken...
Und der JackDaniels hat völlig recht: viel zu ruhig hier auf der Kommentarseite. Los schreibt mir mal was!
Aber das du den zweiten Lehrgang geschwänzt hast, ist mir neu! Du hast dir doch extra dafür 3 Überstunden eingeschrieben! Na da komm mal zu der Frau die "sonst" immer so viel lacht...
Deine Beiträge sind immer sehr unterhaltsam ;-) Nur auf deinem Block sieht's mittlerweile, was die Kommentare angeht, recht mau aus. Haben die andern in der Blu-ray Zentrale so viel zu tun, dass es nicht für nen Eintrag reicht?





