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Interview mit Oliver Stone zu "Savages"

Filme wie das Oscar prämierten Anti- Kriegsdrama "Platoon" oder" Natural Born Killers" sind Aushängeschilder von Regisseur Oliver Stone. Vor allem sein Ruf als kontroverser Filmemacher eilt dem 66-jährigen voraus. Das kommt nicht von ungefähr. In seinen Filmen verarbeitet er gerne heikle politische Themen und löste damit in der Vergangenheit schon so manche Streitgespräche aus. Mit seinem neusten Werk "Savages" beschreibt er den Drogenkrieg an der Grenze zwischen den USA und Mexiko.

Rund einen Monat vor der offiziellen Deutschlandpremiere von "Savages" lud uns Universal Pictures Home Entertainment zur Pressevorführung nach Berlin ein. Anschließend trafen wir den Filmemacher persönlich und konnten so ein paar Fragen loswerden, die uns unter den Nägeln brannten. Dabei plauderten wir nicht nur über seinen Film. Oliver Stone erzählte auch, weshalb die Welt wahnsinnig geworden ist, warum leichte Drogen gut sind und was er von der amerikanischen Politik hält.

 
Spoilerwarnung! Im Interview werden unter anderem Inhalte des Films besprochen!
Mr. Stone, ich würde gerne mit dem Ende Ihres Films beginnen...

Wir sollten alle mit unserem Ende beginnen (lacht).

Im Film gibt es zwei Enden. Sie präsentieren dem Publikum zuerst einen großen, actiongeladenen Showdown, den Sie aber durch ein zweites Ende ersetzen. Was hat Sie zu dieser Entscheidung geführt?

Das ist eine knifflige Frage. In amerikanischen Filmen dieses Genres kommt es üblicherweise zu einem Showdown mit viel Action. Wenn bei einem Ende aber die Emotionalität zu kurzkommt, wird kein erfolgreicher Film dabei herauskommen. Das Buch endet mit einer großen Schießerei mit vielen Toten und wird anschließend noch romantisiert. Ich fand das auch wunderschön zu lesen, konnte es aber so nicht glauben, wie es dastand. Dennoch wollte ich es in den Film einfließen lassen. Mir gefiel die Idee der Erzählerstimme von Charakter "Ophelia" (B. Lively) zu Beginn des Films. Dort erwähnt sie schon, dass sie am Ende vielleicht nicht mehr am Leben sein würde. Das lässt den Zuschauer im Ungewissen. Ich denke jedenfalls, dass meine Interpretation vom Schluss mehr der Realität entspricht.

 
Sie haben nicht nur Einfluss auf das Ende genommen, sondern auch noch auf John Travoltas Rolle, stimmt's?

Stimmt, wir gestalteten John Travoltas Charakter realistischer als im Buch. Er spielt einen gewieften DEA-Agenten, der durch seine Habgier geführt wird. Er verrät alle Menschen um sich herum. Das ist der Drogenkrieg, er geht weiter und weiter. Es ist ein zynischer Krieg um Geld und das wollte ich deutlich machen.

Die Gewaltszenen habe es ja ganz schön in sich. Dagegen erscheinen die Sex-Szenen recht zahm. Von "Wilden" sollte man doch etwas anderes erwarten, oder?

Ja, das ist eben ein Teil der amerikanischen Heuchelei. Sie müssen verstehen, dass es ein System mit allen möglichen Vorgaben und Beschränkungen gibt. In diesem Fall handelt es sich um einen R-Rated Film, bei dem die Darstellung von Gewalt weniger ein Problem ist, als solche Sex-Szenen. Dann gibt es auch noch die Agenten der Schauspieler, die in dieser Hinsicht Druck ausüben. Es wird ja schon heikel, sobald blanke Brüste ins Spiel kommen. Das ist halt kein französischer Film, bei dem so was wieder ganz anders aussieht (lacht). Ich machte einfach das Beste aus den Vorgaben, an die ich mich halten musste.

 
Lassen wir uns über Gewaltdarstellung an sich reden. Die hat im Film und Fernsehen mittlerweile mächtig zugenommen. Meinen Sie da mithalten zu müssen?

Als Filmemacher bin ich mir über die sensationellen Techniken bewusst, die heutzutage angewandt werden. Mit "Savages" wollte ich aber keine Klischees bedienen. Mir war es wichtig, den Film so unvorhersehbar wie möglich zu gestalten. In den Charakteren sah ich die Fähigkeit, sich weiterentwickeln zu können. Sie sollten Veränderungen ihrer Persönlichkeit durchleben. Mir war es zudem wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass es auf der Welt wirklich so brutal zugeht, wie im Film dargestellt. Die Brutalität der Drogenkartelle kennt keine Grenzen. Das können Sie sich gar nicht vorstellen. Es ist abstoßend. Einige Szenen im Film sollen dem Zuschauer dahingehend die Augen öffnen. Außerdem muss die Handlung von den Charakteren bestimmt werden. Ich mag keine Filme, bei denen die Charaktere vor lauter Action untergehen. Das ist langweilig. Selbst "The Dark Knight" und "Das Bourne Vermächtnis" haben mich gelangweilt. Ich wünschte, die Spannung würde mehr von den Charakteren ausgehen; eben wie in den alten Zeiten.

So wie es in auch "Savages" der Fall ist?

Genau. Ein wichtiger Aspekt des Films stellt die Übertragung der Gewaltbereitschaft von Chon auf Ben dar. Das ist ein emotionaler Moment, da Ben die Barriere eines friedfertigen Menschen durchbricht. Er ist zunächst unfähig, auf Menschen zu schießen. So etwas ist auch nicht leicht. Diese Erfahrung musste ich selbst im Vietnam Krieg sammeln. Dann kommt Ben aber an einen Punkt, an dem er keine andere Möglichkeit hat. Er muss einen Menschen töten.

 
Gibt es eine Verbindung zu Gewalt in Filmen und im wirklichen Leben?

Oh ja, was da in Mexiko vor sich geht, erinnert an Vietnam. Das ist ein richtiger Krieg dort. Die im Film angesprochenen Enthauptungen gibt es in Wirklichkeit auch - sie werden sowohl im Irak als auch in Mexiko angewendet. Mir gefiel es, wie Chon seine Erfahrungen aus dem Afghanistan-Krieg in seine Heimat Amerika einschleust. Mit seinen Leuten und deren Fähigkeiten setzen sie sich gemeinsam gegen das Kartell zu Wehr. Er holt den Krieg sozusagen nach Hause.

Sollten Drogen nicht lieber legalisiert werden?

Das wird nicht passieren. Keine Politik würde so etwas zulassen. Nicht einmal unter der Führung von Obama wäre das denkbar, obwohl er früher selbst gekifft hat.

Was hat es mit diesen Masken auf sich, die im Film getragen werden?

Ich liebe diese Masken. Das sind Todesmasken, die von einer religiösen Figur namens "Santa Muerte" herstammen. In der mexikanischen Kultur spielt "Santa Muerte" eine wichtige Rolle.

 
Die Action-Szenen in "Savages" sehen beeindruckend gut aus, da sich keine CGI-Spielereien erkennen lassen. Was halten Sie von diesen Computeranimationen, die heutzutage immer häufiger eingesetzt werden und die klassische Handwerkskunst ersetzen?

Ich mag CGI nicht sonderlich, da solche Effekte einfach nicht echt sind und schnell langweilig werden. Manchmal kommt man aber nicht umhin, darauf zurückzugreifen. So können Menschenleben geschützt werden, was gut ist. Ich bin schließlich nicht scharf darauf, mich selbst in die Luft zu jagen. Auch wegen der gesetzlichen Regelungen müssen manchmal Kompromisse mit der CGI- Technik eingegangen werden. In "Savages" mussten wir übrigens durchaus auf CGI zurückgreifen, aber nur so viel, wie nötig und so wenig wie möglich.

Mr. Stone, Sie tragen den Ruf eines kontroversen Filmemachers. Wie gehen Sie damit um?

Ich denke nicht, dass damit alle meine Werke gemeint sind. Ich habe ja auch ruhigere Filme gemacht. Von denen wird dann aber wiederum behauptet, sie seien zu artig (lacht). Was ist falsch an "Wall Street: Geld schläft nicht"? Vielleicht wollen es die Menschen einfach nicht mit ansehen, wie ich im Herzen eines Bänkers herumstochere. Ich hätte den Film auch gemeiner inszenieren können. Mir war es aber wichtig, ein Drama zu erschaffen, in dessen Hauptfigur man sich einfühlen kann. Oder nehmen wir "Nixon" als Beispiel. Das ist ein Film, den ich liebe. Auch wenn er über einen Menschen handelt, von dem ich hingegen überhaupt nichts halte. Aber ich denke, dass ich dem Zuschauer einen guten Einblick in dessen Leben verschaffen konnte.

 

Kontrovers ist doch sowieso ein Wort ohne jeden Wert. Niemand kann vorhersagen, was später als kontrovers angesehen wird und was nicht. Es braucht nur ein einziges, dummes Video, damit sich alle Moslems aufregen. Man kann vorher nicht wissen, was passieren wird. Ich sehe mich jedenfalls selbst als Dramatiker, der nach der Wahrheit sucht. Das provoziert eben ein paar Menschen und das sind dann Mitt Romneys (lacht).

Im Film heißt es, Drogen seien die rationale Antwort auf den Wahnsinn. Entspricht das Ihrer Sichtweise?

Selbstverständlich (lacht). Meiner Meinung sind Menschen, die andere Menschen wegen Marihuana ins Gefängnis stecken, selbst wahnsinnig. Menschen, die gegen den Irak oder Afghanistan Krieg führen, sind ebenso wahnsinnig. Solche Leute sind allesamt wahnsinnig. Vielleicht drehe ich irgendwann noch einen Film über den ganzen Wahnsinn auf dieser Welt (lacht).

Wann haben Sie zuletzt Marihuana geraucht?

Heute Morgen...nein, natürlich nicht (lacht). Ich bin nicht süchtig und ich brauche es auch nicht. Aber manchmal ist es eben doch ganz schön.

Also mögen Sie es?

Ja, ich rauche gerne. Es ist ein wundervolles Geschenk Gottes an uns Menschen. In der Medizin ist es zudem ein wertvolles Gut. Es hilft kranken Menschen, ihren Schmerz zu lindern. Ich habe schon so viel erlebt, aber dass jemand an Marihuana gestorben ist, gab's noch nie. Menschen sterben wegen Alkohol, Kokain oder einer Überdosis von irgendeinem anderen Zeug. Herrje, ist schon mal jemand an einer Überdosis Marihuana gestorben? Ich denke nicht (lacht).

 
Vielen Dank für das Gespräch.

(mwo)

 
 
 
geschrieben am 11.04.2013, 10:35 Uhr

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