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bluray-disc.de im Interview mit Tony Bancroft - Supervising Animator bei Disney

In unserer News vom 05.08.2011 haben wir Ihnen einen kleinen Ausblick auf das Interview mit Supervising Animator Tony Bancroft gegeben, der u.a. dem beliebten Disney-Charakter Pumbaa Leben eingehaucht hat. Wir konnten Ihnen exklusiv einen kleinen Vorgeschmack auf die Extras der Blu-ray Disc, sowie die 3D-Fassung geben, die beide ab dem 10. November 2011 im Handel zu finden sein werden.

 

Anlässlich der erneuten Kinoauswertung des beliebten Animationsfilm "Der König der Löwen" (USA 1994), die sich als äußerst erfolgreich entpuppt hat, und der bevorstehenden Veröffentlichung der Diamond Edition Blu-ray Disc, haben wir Tony Bancroft in einem Virtual Roundtable über den Film befragen können.

Woran erinnern Sie sich bei der König der Löwen Produktion am besten?

Die mit Abstand liebste Erinnerung habe ich an die Leute, mit denen ich gearbeitet habe. Beim ersten Mal ein "Supervising Animator" eines Charakters zu sein, da war ich richtig nervös und wollte alles richtig machen. Zu der Zeit habe ich mit meinem besten Freund Mike Surrey zusammengewohnt, der Timon animiert hat. Und wir erschufen die beiden Freunde.

 
Für viele ist "Der König der Löwen" der beste Disney Film aller Zeiten. Was ist das für ein Gefühl, an solch einem bedeutenden Charakter wie Pumbaa gearbeitet zu haben?

Das ist eine lustige Geschichte, denn zu der Zeit, in der wir an König der Löwen gearbeitet haben, sollte der Film gar nicht der Favorit auf der Liste der Filme werden, an denen wir damals arbeiteten. Wir hatten wirklich keine Vorstellung davon, dass König der Löwen so erfolgreich werden würde. Jetzt, Jahre später, bin ich überglücklich ein Teil dieser Filmgeschichte zu sein.

Seit wie vielen Jahren haben Sie nun etwas mit dem Film zu tun - angefangen mit der Kinoproduktion, bis hin zur Blu-ray und 3D-Fassung?

Angefangen habe ich im Sommer 1992... ich glaube ich war damals ein 24-jähriger Junge. Der Film kam 1994 ins Kino und bis zur 3D-Fassung fürs Kino und der Blu-ray war ich nicht mehr daran beteiligt. Es war eine tolle Zeit. Ich liebe es ein Teil davon [Anm. der Redaktion: "Der Blu-ray"] zu sein. Es ist wie nach Hause zu kommen.

 
Wie hat es "Der König der Löwen" Ihrer Meinung nach geschafft, im Vergleich zu all den computeranimierten Filmen, die heutzutage gemacht werden, nicht zu altern?

Die Geschichte des Films ist einfach zeitlos. Meiner Meinung nach ist es keine Frage der Technologie oder des Animationsstils, sondern wie sich die Zuschauer mit den Charakteren identifizieren und mit dem Thema des Films. Diese Dinge werden immer wichtiger sein, als das Medium, auf dem sie präsentiert werden.

Arbeiten Sie immer mit Stift und Papier oder zeichnen Sie auch am Computer?

Zu der Zeit, als wir "Der König der Löwen" gemacht haben, entstand jedes Bild, das Sie auf der Leinwand sehen, mit Stift und Papier. Heutzutage wird das digitale Zeichnen mehr zur Norm. Allerdings bin ich ziemlich altmodisch und bevorzuge immer noch Papier und Stift.

Worin liegt die größte Herausforderung beim Zeichnen und Animieren von Pumbaa?

Technisch gesprochen bei seinen Fangzähnen. Er hat diese großen, knochigen Fangzähne, die an den Seiten seiner ohnehin schon großen Nase herausstechen und es war eine immense Herausforderung seinen Kopf zu bewegen, ohne den Ausdruck seiner Augen zu verlieren. Manchmal sind es die einfachen Dinge im Leben, die die größte Herausforderung darstellen.

 
Sind sie aufgeregt den König der Löwen in 3D zu sehen?

Ja! Ich hatte vor über einem Monat (Anm. der Redaktion: etwa Ende Juni) die Chance den Film in 3D zu sehen und er ist phänomenal! Die 3D-Fassung belebt die Geschichte richtig. Sie ist noch epischer als zuvor.

Manche Leute denken, dass 3D lediglich eine Spielerei ist. Welchen Nutzen hat Ihrer Meinung nach eine 3D-Fassung für den König der Löwen?

Ich denke die 3D-Technologie hat dann seinen Nutzen, wenn sie richtig genutzt wird. Zugegeben, auch ich hatte anfangs meine Zweifel, als ich gehört habe, dass "Der König der Löwen" eine 3D-Fassung spendiert bekommen sollte. Nachdem ich allerdings gesehen habe, welche Sorgfalt und Fertigkeit in die Art und Weise der Produktion gelegt wurde, war es um mich geschehen! Wenn ältere Katalogtitel in 3D wiederbelebt werden sollen, sollten die Regisseure und Produzenten, die den Kinofilm gemacht haben, auch wieder mit dabei sind. Beim König der Löwen war das der Fall und das sieht man.

 
Hat diese neue Technologie irgendwie Ihre Arbeitsweise verändert?

Da es den König der Löwen nun im stereoskopischen 3D gibt, gibt es auch einen großen Unterschied in der Präsentation des Films. Es hat mich verblüfft, wie episch sich der Film in 3D anfühlt. Pumbaa und seine Freunde sind lebendiger als jemals zuvor und alles nur wegen einer neuen Technologie, die wir zur Zeit der König der Löwen Produktion noch nicht hatten.

Worin liegt die Schwierigkeit einem Charakter Leben einzuhauchen?

Das Schwierigste für mich ist die Persönlichkeit des Charakters durch die Animation zu finden. Wir alle haben eine Art und Weise zu sprechen und uns zu bewegen, die einzigartig ist und etwas über uns aussagt. Der Hauptjob eines Animators ist es, diese Einzigartigkeit einem Charakter zu geben. Wie bewegt er sich? Hat er in dieser Szene Augenkontakt? Hat er eine sichtbare Angewohnheit oder sind andere Charakteristika zu sehen (d.h. spielt sie mit ihren Haaren)? Über diese Dinge denkt ein guter Animator oft nach - egal ob er oder sie mit einem Stift oder einer Computermaus arbeitet.

 
Warum denken Sie, dass Nebencharaktere in Disney Filmen besonders wichtig sind?

Die Nebencharaktere sind Teil einer guten Geschichte; von Shakespeare zu Steinbecks Von Mäusen und Menschen. Sie helfen dem Helden zu erkennen, was er richtig und falsch macht. Disney hat es in den letzten Jahren besonders gut verstanden, gerade bei Timon und Pumbaa, die Nebencharaktere unterhaltsam und witzig zu machen.

Haben Sie in Pumbaa ein bisschen von sich selbst einfließen lassen?

Ja, jeder Animator sollte etwas von seiner Persönlichkeit in Ihre Charaktere packen; das ist es, was sie real und glaubwürdig macht. Ich denke Pumbaa ist zur Hälfte ich und zur anderen Hälfte Ernie Sabella (Anm. der Redaktion: englische Originalstimme von Pumbaa).

Was ist Ihr Lieblingssong aus König der Löwen?

Ich mag sie alle, aber wahrscheinlich ist "The Circle of Life" mein Lieblingssong. Ich liebe einfach diesen afrikanischen Ruf am Anfang des Lieds. Und diese animierte Sequenz im allerersten Trailer 1994 zu benutzen, war einfach genial. Da wurde sofort das Interesse für den Film geweckt.

Waren Sie an der Entstehung der Blu-ray beteiligt?

Ja, hier und da. Ich war an zusätzlichen Interviews beteiligt und auch an einigen neuen Animationen. Sie riefen alle damaligen Animateure zurück, um einen Blooper mit all unseren Charakteren zu animieren. Die Regisseure gingen die alten Aufnahmen durch und haben dabei auch Aufnahmen von 1993 entdeckt, bei denen die Synchronsprecher Fehler gemacht haben. Dann haben wir unsere Charaktere animiert und sie mit den "fehlerhaften" Aufnahmen unterlegt. Es hat so viel Spaß gemacht, ein paar Szenen mit meinem alten Freund Pumbaa zu animieren. Schaut einfach nach, sobald die Blu-ray Disc veröffentlicht wird.

 
Welche Möglichkeiten sehen Sie in 3D?

Ich denke 3D ist dann am besten, wenn die Technik die Dynamik der Geschichte des Originals fördert, wie in "Der König der Löwen". Es gibt eine tolle Szene im Film, wo Simba in dieser Tier-Stampede gefangen ist und wir wollten, dass die Zuschauer direkt bei Simba sind. Also ist die Kamera tiefgestellt und die Gnus springen im wahrsten Sinne des Wortes über die Kamera. Das war 1994 schon ziemlich beeindruckend, aber jetzt im Jahr 2011, im stereoskopischen 3D, ist es sogar noch überwältigender. Die Technologie hat es geschafft, diesen Moment tatsächlich zu verbessern. Meiner Meinung nach sollte es nicht 3D sein, wenn es nicht dabei hilft, die Geschichte des Films zu verbessern.

Was haben Sie von Miyazaki gelernt, als Sie an dem US-Release von Porco Rosso gearbeitet haben?

Hayao Miyazaki ist einer meiner Lieblingszeichentrick- bzw. Animeregisseure. Daher war es für mich eine Ehre und ein Vergnügen an einem seiner Filme gearbeitet zu haben. Ich habe die Dialogregie für die englischsprachige Fassung übernommen. Wir hatten wirklich tolle Synchronsprecher. Ich habe soviel bei der Arbeit gelernt. Ich war fast von der langsamen Erzählweise der japanischen Filme eingeschüchtert. Miyazaki lässt sich bei einigen Szenen wirklich Zeit. Das machen wir im Westen einfach nicht. Hier wird alles so schnell geschnitten.

 
Vielen Dank für das Gespräch. Haben Sie noch einen letzten Gedanken, den Sie uns mitteilen möchten?

Ich finde es faszinierend, wie die Zeit die Dinge verändert. Zu der Zeit, als wir am König der Löwen arbeiteten, sollte der Film nicht der Stärkste in der Palette voller Ideen werden. Die Leute, die damit beauftragt wurden, an dem Film zu arbeiten, waren die neuesten und jüngsten Talente des Studios. Wir haben unser Herz und unsere Seele in dieses Projekt gesteckt, um unsere Fähigkeiten und die Liebe für diese Geschichte unter Beweis zu stellen. Wenn man den Film jetzt sieht und weiss zu welchem weltweiten Phänomen es "Der König der Löwen" geschafft hat, sind diese bescheidenen Anfänge komplett vergessen. Ich denke all diese Hindernisse, die dem Film in den Weg gelegt wurden, haben ihn erst zu dem gemacht, was er heute ist. Und das wird Generationen überdauern. Hakuna Matata! (mw)

 
 
 
geschrieben am 03.11.2011, 08:26 Uhr

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